03.09.2005 Eupen, Rocknacht im Capitol

Das Reizvolle für eine Band auf Tour ist ja auch, dass es immer und überall anderes ist. Von diesen, oft nur kleinen Besonderheiten, zehren wir oft noch wochenlang und viele Erlebnisse vergisst man nie. Unser Engagement bei der 1. Rocknacht im Capitol Eupen war in vielerlei Hinsicht gespickt mit Besonderheiten. Es war unser erster Gig im Ausland, nämlich in Belgien, etwa 15 Km von Aachen entfernt. Schon in den Ankündigungen wurde dem hochverehrten Publikum viel versprochen: Riesiger Sound, riesige 75000 Watt Licht in einer angemessen großen Location, die 1300 Fans in ihrem riesigen Bauch verschlingen kann. Da können sich auch die eingeladenen Bands richtig drauf freuen. Riesig Werbung wurde gemacht – Aachen und Eupen mit Plakaten und Flyern zugekleistert – jedes Szenemagazin mit Infos versorgt. Da sollte eigentlich nichts mehr schief gehen. Wir waren sehr gespannt..

Anders war diesmal auch meine eigene Anreise. Sie war nicht im Tourbus, sondern mit dem ICE aus Richtung Bodensee. Um 14 Uhr treffe ich am Capitol ein und bin als Erster von uns da. So darf ich mir schon mal ein Bild vom Veranstaltungsort machen und bin sofort begeistert. Schön sieht es aus, eine riesige Halle mit riesiger Bühne in Stil der 20er Jahre. Der Backstagebereich erinnert mich ein wenig an Draculas Gruft, ist riesig groß und angenehm kühl.

Etwa gegen 15 Uhr fährt der Rest der Truppe vor und nach einem Pläuschen beginnen wir mit unserem Aufbau. Heute dauert es ungewöhnlich lange, weil wir einfach etwas akribischer, zu Werke gehen, denn alles soll heute stimmen.

Etwas Besonderes ist heute auch, dass wir seit langem mal wieder mit Jin Jin zusammenspielen, einer tollen Reggae Band aus Mönchengladbach, bei der Arnolds Bruder Alli den Bass spielt. Sie treffen während unsers Soundchecks ein und die Wiedersehensfreude ist auf beiden Seiten sehr groß.

Auch wir haben heute Verstärkung mitgebracht: an den Flöten ist Colin mal wieder mit dabei und als „Jolly Death“ hat Rick Venning seine Bühnenpremiere bei uns ( Hi Rick, Du hast den Job wirklich toll gemacht !!!)

Die erste Band, die heute Abend spielt, ist „Viel“ aus Köln. Der Anfang von „Viel“ verzögert sich aber um 1 ½ Stunden, weil einfach kaum Leute den Weg nach Eupen gefunden haben. Da sind aber nun wieder einige unserer Fans etwas ganz Besonderes. Sie nehmen Wege von vielen hundert Kilometern auf sich, um uns hier zu sehen. Liebe Leute Ihr seid einfach große Klasse!!!!

Nachdem „Viel“ ihr Set beendet hat, kommt „Jin Jin“ auf die Bühne. Diese Band grooved wie Hölle und wir schauen alle begeistert zu. Diese Begeisterung findet aber ein jähes Ende, als die Veranstalter uns eine habe Stunde vor unserem Auftritt zusammentrommeln und um ein Gespräch bitten. Jedem von uns war sofort klar was Thema ist. Zu wenig Leute da, zu wenig Einnahmen; man wir uns nicht bezahlen können. Das ist Bitter. Nun, jetzt nicht zu spielen ist kein Thema, unsere Fans sind von weit her gekommen. Wir finden gemeinsam einen Weg und hoffen, dass der Veranstalter sich daran hält.

Dann ist erst mal Party angesagt. Wir mit unserer neuen Bühnendeko in gleißendes Licht gehüllt, mit einer Anlage, die für die Köln Arena gereicht hätte. Wir auf - und unsere Fans vor der Bühne geben alles und wenn man die Augen schließt, denkt man der Saal wäre ausverkauft. Selbst als eine unserer neuen Fackeln komplett in Flammen aufgeht und dann noch von einem „Jugendfeuerwehrmann“ versucht wird, sie mit Wasser zu löschen, was das Feuer erst richtig entfacht, leidet die Stimmung nicht. Zum Glück bleibt unser Jolly Death ruhig und deckt den Brand ab, bevor unsere schöne neue Deko ebenfalls in Flammen aufgeht..... Alles in allem also ein schöner Gig, auch wenn nur sehr wenige Zuschauer da waren.

Trotz allem bleibt hier aber ein fader Beigeschmack übrig. Hier wurde zu hoch gepokert und alle haben irgendwie verloren. Vertrag kommt irgendwie auch von vertragen. Bevor man einen unterschreibt, ist es gut ihn zu lesen. Ein Kritiker hat neulich über uns geschrieben “Cromdale legte los als wären sie alle noch 18“. Das hat uns schon geschmeichelt. Weniger schmeichelhaft ist jedoch, wenn man dann, trotz anderer Vereinbarung, in der Eupener Jugendherberge landet, in der man nach 22:00Uhr nicht mehr duschen darf. Bei 75000 Watt Licht auf der Bühne versagt nun mal jedes Deo. Wenn ein warmes Essen vereinbart ist, möchten wir auch warm essen und wenn ich mir im Backstage ein Bier nehme, möchte ich nicht darüber diskutieren, ob ich das auch darf.

Ich bin froh, dass diese unsere erste derartige Erfahrung war und wünsche mir, so etwas nie wieder mit einem Veranstalter zu erleben. Wir hatten bisher wirklich großes Glück mit Veranstaltern und wenn mal auf der einen Seite etwas nicht ganz so richtig war, wurde es an anderer Stelle wieder ausgeglichen. Es ist alles ein Geben und Nehmen. In Eupen haben wir unterm Strich mehr gegeben als wir bekommen haben.

Wir lassen den Abend mit Freunden und ein paar Bier auf den Bänken an der Jungendherberge ausklingen. Es wir dabei noch richtig lustig und wir müssen sehr aufpassen, dass unser Gekicher nicht das ganze Haus weckt.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen geht’s ganz schnell nach Hause..........

Peter